


Die Sterblichkeit von Lachseeschwalben sichtbar gemacht
Im Jahr 2026 haben wir, gefördert durch den von der DFG unterstützten Exzellenzcluster Navisense, eine Studie begonnen, in der wir die letzten in Mitteleuropa brütenden Lachseeschwalben verfolgen. Ziel ist es herauszufinden, wie sie ihre Lebensräume sowohl am Brutplatz als auch während des Zuges und in ihren Überwinterungsgebieten nutzen, um besser zu verstehen, was sie an den jeweiligen Orten benötigen – und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. Dabei arbeiten wir mit einem Team von Naturschutzbiologinnen und -biologen zusammen, das den Brutlebensraum schützt und während der Brutzeit negative Auswirkungen durch z. B. Prädation und Überflutungen verhindert. In dieser ersten Saison konnten wir 26 brütende Altvögel und 9 flügge Küken mit einem GPS-Sender von Ornitela ausstatten. Die Daten, die von diesen Sendern bei uns eingehen, sind schlichtweg faszinierend. In einigen Fällen sind die Nachrichten allerdings traurig.
Noch bevor die Brutsaison zu Ende war, starb die Lachseeschwalbe L02, nachdem sie auf einem Nahrungsflug mit einer Windkraftanlage kollidiert war. Sie ist damit wahrscheinlich der erste für Europa dokumentierte Fall einer Lachseeschwalbe, die durch eine Kollision mit einer Windkraftanlage ums Leben gekommen ist. Vermutlich werden solche Fälle nur selten entdeckt, weil Prädatoren die Überreste der Vögel beseitigen, bevor sie gefunden werden können. L02 hinterließ ihren Partner E7 und ihren Küken H15. Glücklicherweise gelang es E7, H15 allein zum Ausfliegen zu bringen. Beide wurden am 5. August an einem Rastplatz in den Niederlanden gesichtet.
Nur wenige Tage später, am 9. August, deuteten die GPS-Daten der Lachseeschwalbe L49 darauf hin, dass der Vogel möglicherweise tot war. Nachdem wir darüber auf Bluesky berichtet hatten, boten viele hilfsbereite Menschen ihre Unterstützung an. Sie besuchten den vom Sender angegebenen Ort in Frankreich und fanden den Vogel tatsächlich. Es stellte sich heraus, dass L49 erschossen wurde. Mit Unterstützung der französischen Vogelschutzorganisation Ligue pour la Protection des Oiseaux (LPO) und des französischen Biodiversitätsamtes Office français de la biodiversité (OFB) sammeln wir derzeit alle Beweise und klären, welche rechtlichen Schritte eingeleitet werden können.
Es gibt aber auch gute Nachrichten: 18 der brütenden Altvögel und 2 der flüggen Jungvögel haben Afrika bereits sicher erreicht. Dort sind sie vorerst außerhalb unserer Reichweite, doch ihre Sender werden weiterhin Daten sammeln. Sobald die Vögel wieder nach Europa zurückkehren und ihre Sender sich erneut mit einem Netzwerk verbinden können, werden die gespeicherten Daten an uns übertragen. Drücken wir die Daumen, dass es unter ihnen zu keinen weiteren Todesfällen kommt!

