You are here

Content

AG Schmaljohann

Der Zug zwischen den Brut- und Überwinterungsgebieten wird unterteilt in den Flug und die Rast, wobei mehr Zeit und somit auch mehr Energie während der Rast benötigt wird als während des Fliegens. Die Erforschung der Rastplatzökologie erhält deshalb eine entscheidende Bedeutung für das Verständnis des Vogelzuges. Wobei sich für den Zugvogel während der Rast alles nur um die eine essentielle Frage dreht: Wann ziehe ich ab? Bedeutend wichtiger als die rein zeitliche Beschreibung dieses Ereignisses ist jedoch die Frage nach dem Mechanismus, welcher den zeitlichen Ablauf des Rastens organisiert; wobei man drei verschiedene zeitliche Ebenen unterscheiden muss:

a)      Welchen Einfluss hat die Jahreszeit auf die Abzugsentscheidung?

b)      Welche Faktoren entscheiden darüber, ob ein Zugvogel das Rastgebiet in der einen oder anderen Nacht verlässt?

c)      Aufgrund welcher Faktoren entscheidet sich ein Nachtzieher zu einer bestimmten Zeit innerhalb der Nacht abzuziehen?

Einen bedeutsamen Einfluss auf das gesamte Abzugsverhalten hat das Zugziel. Dabei muss man zwischen dem "endgültigen" Ziel einer Zugperiode und dem "nächsten" Ziel, also dem nächsten Rastplatz, unterscheiden. Beide Ziele spielen für die Organisation des Rastverhaltens eine fundamentale Rolle!
Das Wissen über das nächste Zugziel ist besonders wichtig, wenn Zugvögel eine ökologische Barriere überqueren müssen. Entweder wird dieses Hindernis direkt überflogen oder die Zugvögel entscheiden sich für einen Umweg. Der direkte Weg ist zwar der schnellste, erfordert jedoch ausreichende Energie- und Wasserreserven und ist am risikoreichsten. Sicherer aber zeitlich kostspieliger ist es die Barriere zu umgehen. Zugvögel könnten also in Abhängigkeit von der Körperkondition verschiedene Routen wählen: bei größeren Reserven werden Barrieren überquert, bei kleineren diese hingegen umflogen. Falls die Rastplatzbedingungen jedoch besonders schlecht sind, und die Rastvögel bedingt durch wenig Nahrung, hohen Konkurrenzdruck und/oder Prädationsdruck nur wenig fressen können, so kann Umkehrzug erfolgen. Das bedeutet, Rastvögel weichen den dortigen schlechten Bedingungen aus, in dem sie in die Richtung des vorherigen Rastplatzes zurückkehren, wo aus eigener Erfahrung die Nahrungsbedingungen besser waren. Für das Verständnis des Rastplatzverhaltens ist das "Wissen" über das Zugziel also von fundamentaler Bedeutung.

Die nächtliche Abzugszeit und die Richtung, in der die Vögel Helgoland verlassen, werden mit Hilfe eines automatischen Radiotelemetriesystems detektiert.

Um die generellen Untersuchungen bezüglich der Rastplatzökologie nicht nur auf ein Rastgebiet zu beschränken, werden die räumlichzeitliche Organisierung der Wanderung und die phänotypische Reaktion auf die Umweltparameter auch anhand von Helldunkel-Geolokatoren für den gesamten Zugweg untersucht.

 

Kooperationspartner

Prof. Dr. Susanne Åkesson (Lund Univeristy),

Dr. Debora Arlt (Swedish University of Agricultural Sciences),

Prof. Dr. Franz Bairlein (Institute of Avian Research),

Prof. Dr. Willem Bouten (University of Amsterdam),

Dr. Nikita Chernetsov (Biological Station Rybachy, St. Petersburg State University),

Dr. Fränzi Korner-Nievergelt (Swiss Ornithological Institute),

Dr. Felix Liechti (Swiss Ornithological Institute),

Dr. Simeon Lisovski (Deakin University),

Dr. Jamie McLaren (University of Delaware),

Dr. Christoph Meier (Swiss Ornithological Institute),

Prof. Dr. Yolanda Morbey (Western University),

Prof. Dr. Rachel Muheim (Lund University),

Dr. Beat Naef-Daenzer (Swiss Ornithological Institute),

Prof. Dr. D. Ryan Norris (University of Guelph),

Prof. Dr. Tomas Pärt (Swedish University of Agricultural Sciences),

Prof. Dr. Judy Shamoun-Baranes (University of Amsterdam),

Prof. Dr. Fernando Spina (Istituto Nazionale per la Fauna Selvatica)

    AG SchmaljohannAG Schmaljohann

Context Column